Gelenkschmerzen im Alter sind völlig normal, oder doch nicht?

7. August 2022  -  Schmerzen  -   Min. Lesezeit

Du kennst sicherlich jemanden in deinem Freundes- oder Familienkreis, der sich über Gelenkschmerzen beklagt und es dann mit dem Älter werden abtut? Vielleicht musst du auch gerade schmunzeln, da du diese Aussage auch schon gebraucht hast? 🙂

Mir stellen sich jedes Mal die Haare zu Berge, wenn ich diese Aussage höre. Aus meiner Sicht, verstecken sich die Leute hinter diesem Glaubenssatz, damit sie keinen Sport machen oder ihre Gewohnheiten ändern müssen.

In diesem Beitrag zeige ich dir, wieso Gelenkschmerzen mit steigendem Alter nicht normal sind und meist zu vermeiden gewesen wären.

Use it or lose it

Brauche es oder verliere es! Dieser kleine Satz gibt die Antwort auf Äusserungen wie:
“Als ich klein war, konnte ich den Spagat noch.”
“Früher hatte ich nie Rückenschmerzen.”
“Mit 20ig war, war es kein Problem 15km zu joggen.”
“Ab 40ig habe ich während des Trainings Knieschmerzen.”

Ich sehe es jetzt bei meinem Sohn (10 Monate alt). Er kriecht, steht auf, kraxelt, dreht sich, macht Liegestützen und das über den ganzen Tag verteilt. Er trainiert seinen Bewegungsapparat täglich mehrere Stunden. Ich würde jetzt mal behaupten, dass das bis zum Schuleintritt so bleiben wird oder auch bleiben soll!

Mit dem Schuleintritt wechseln wir von diesem sehr aktiven Kleinkinder-Leben in ein passiveres Vor-Erwachsenen-Leben. Je älter wir werden, desto mehr verbringen wir unser Leben sitzend und mit immer weniger Bewegung. Von dieser täglichen mehrstündigen Bewegung werden es in der Woche wenn es gut geht 3x eine Stunde Sport im Erwachsenenalter.

Unser Körper ist schlau! Werden Muskeln und Gelenke lange nicht wie vorgesehen gebraucht, baut er diese Bewegungskapazität ab. Was nützt es mir einen Spagat zu können, wenn ich ihn in meinem Arbeitsleben auf dem Bürostuhl eh nie brauche?

Je weniger ich meine Muskeln und Gelenke brauche, desto untrainierter und unbeweglicher werde ich. Dein Bewegungsumfang hat sich über die Jahre deinem Bürojob und deiner Sitzgewohnheiten angepasst.

Fehlhaltungen prägen deinen Körper

Vieles Sitzen und wenig Bewegung, aber auch monotones, intensives Training prägen unseren Körper. Gewisse Muskelpartien sind überreizt, andere sind gelangweilt. Dieses Ungleichgewicht führt zu Fehlhaltungen in deinem Körper. Diese Dysbalancen im Bewegungsapparat führen früher oder später zu Muskel- und Gelenkschmerzen.

Man könnte ja jetzt meinen, mehr Training bringt mehr (wenn man meinen ersten Absatz liest). Hier ist jedoch Vorsicht geboten! Bestehen bei dir bereits Fehlhaltungen belastest du deine Gelenke ungünstig. Deine Bewegungen fühlen sich harzig an. Deine Muskeln verkrampfen, da sie Arbeit ausführen müssen, für die sie gar nicht zuständig sind. Gelenkschmerzen und Verspannungen sind so vorprogrammiert.

Trainierst du nun noch mehr und intensiver, sind deine Muskeln und Gelenke noch mehr gefordert, resp. überfordert! Du nutzt die Gelenke an den falschen Orten ab, da sie nicht mehr korrekt übereinander stehen.

Was du gegen auftretende Gelenkschmerzen tun kannst

Nimm deinen Körper wahr – spüre in dich hinein!

Bei welcher Bewegung treten die Schmerzen auf? Tut es immer gleich weh? Wann sind die Schmerzen wieder weg? Kannst du die Bewegung anders ausführen? Wie schaut es dann aus? Es ist auch hilfreich einmal ein Video von dir zu machen. Dann werden Ausweichbewegungen oder Fehlhaltungen besonders gut ersichtlich.

Bewege dich täglich!

Eine Runde spazieren ist ok, bringt dir aber nichts für deine Gelenke! Eine tägliche Yogaeinheit wäre schon besser. Da bewegst du dich vielfältiger und in alle Richtungen. Was ich dir aber sehr ans Herz legen kann sind CARs (controlled articular rotations). Was CARs sind, erkläre ich in diesem Artikel. Durch tägliches Ausführen dieser CARs kannst du dir deinen aktuellen Bewegungsumfang (ROM = range of motion) erhalten. Mit der maximalen Dehnung des Gewebes sendest du Signale an die Gewebestruktur. Damit erhältst du deinen Bewegungsumfang aufrecht und signalisierst deinem Körper, dass du dein Gelenk, so wie es jetzt ist, noch brauchst.

Frau kniend mit gestrecktem Arm, macht gerade Schulter CARs
Ein mögliches Setup für die Schulter-CARs

Lerne, wie du Bewegungen anatomisch korrekt ausführst

In unserem Körper ist alles miteinander verbunden. Hast du zum Beispiel einen Senkfuss, wirkt sich diese Fehlhaltung auf deine Knie, dein Hüftgelenk und Becken und wahrscheinlich auch auf deinen Rücken aus!

Unsere Knochen wurden so gebaut, dass wir uns leicht und dynamisch fortbewegen können. Durch das viele Sitzen und zu wenig Bewegung, aber auch durch einseitiges Training haben wir das verlernt und uns Fehlhaltungen angeeignet! Lerne wieder, dich anatomisch korrekt zu bewegen. Es bringt dir Leichtigkeit in deine Bewegungen und deine Gelenke können sich, wie von der Natur vorgesehen, bewegen.

Komme in meine Mobility-Lektion 🙂

Das Zauberwort heisst hier Mobility (aktive Beweglichkeit). Du kräftigst und dehnst deine Muskeln und Gelenke. Machst sie so geschmeidiger und wieder voll funktionsfähig. Durch diese Geschmeidigkeit sagst du deinen Gelenkschmerzen ade!

Ja, du liest richtig! Mobility hilft dir auch bei bestehenden Gelenkschmerzen danach wieder schmerzfrei zu trainieren (hier klammere ich bewusst Gelenke aus, die bereits operiert wurden. Das ist noch mal eine andere Angelegenheit)!

Mein Rat an dich

Die Schmerzen hast du nicht primär, nur weil du älter wirst. 🙂 Die oben genannten Faktoren spielen hier eine erhebliche Rolle und sind die Gründe, warum du dich mit steigendem Alter eher verletzt oder ungelenkig fühlst.

Schmerzen sind immer ein Zeichen des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Schaue hin und ignoriere sie nicht! Wenn du wegen der Schmerzen sowieso eine Trainingspause machen musst, lohnt es sich, gleich an deiner Mobility und Körperwahrnehmung zu arbeiten.

Möchtest du deine Bewegungsmuster analysiert haben? Dann melde dich bei mir! Mein Ziel ist es, dass du ein Leben lang Freude an Bewegung hast!

Fotocredit Titelbild: Shutterstock 1933543019

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